im Rat der Wallfahrtsstadt Werl
Auch in diesem Jahr möchte ich meine Rede mit einem Dank an die Verwaltung für die Unterstützung der Gremienarbeit und die Umsetzung der Beschlüsse beginnen. Ganz besonders möchte ich betonen, dass wir erfreut sind, hier viele neue Ideen zu sehen. Bei den Diskussionen in Rat und Ausschüssen wollen wir in der Regel nicht die Arbeit der Verwaltung kritisieren, sondern uns gegen falsche Vorgaben und fehlende Prioitäten der politischen Spitze wenden.
Am Haushalt 2026 machen uns drei Dinge Sorgen. Zum einen sind dies die hohen Defizite in 2026 aber auch in der Mittelfrist-Planung. In der Summe und im Durchschnitt sind dies immerhin 302 € pro Person und Jahr. Eine Menge Geld, insbesondere im Verhältnis zum unterdurchschnittlichen verfügbaren Einkommen in der Stadt. Erklärt wird diese Situation dadurch, dass wir vieles über Förderprojekte abwickeln und die Fördergelder uns erst verspätet zufließen. Vergessen werden hier allerdings die Risiken:
• Das Risiko von Kostensteigerungen in den geförderten Projekten tragen wir zu 100% selbst.
• Treten technische Risiken ein, wie wir es an der Dreifach-Turnhalle erlebt haben, belastet dies zuätzlich die Verwaltung.
• Selbst bei Neubauten wie etwa der Turnhalle am Salzbach, wo man noch den Auftragnehmer in Regress nehmen kann, bedeutet das eine Menge zusätzliche Arbeit.
Haben wir wirklich die nötigen personellen Ressourcen, um solche großen Projekte nicht nur bei planmäßigem Verlauf sondern auch bei Problemen abwicklen zu können, ohne das andere Aufgaben darunter leiden ?
Das zweite, was uns besorgt, ist wie wenig kreativ und mutig die Stadt bei der Einnahmeseite vorgeht. Als Reaktion auf das Urteil des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen vom 4. Dezember 2025 zur Differenzierung bei der Grundsteuer B wurde uns kurz vor der Ratssitzung am 18.12.2025 nur die Aufhebung der Differenzierung ohne jede Alternative vorgeschlagen. Das bedeutet eine Erhöhung des Hebesatzes für Wohngebäude von 790 % auf 980% und damit eine erhebliche Mehrbelastung für alle, die hier wohnen, egal ob im Eigentum oder zur Miete. Dabei wären Alternativen möglich gewesen. Wir hätten einfach abwarten können. Vier der betroffenen Kommunen haben inzwischen Berufung beim Oberverwaltungsgericht eingelegt. Ebenso wäre es möglich gewesen, nun doch die Grundsteuer C für baureife, aber unbebaute Grundsteuer einzuführen und damit zumindest einen Teil der Mehrbelastung der Wohngrundstücke zu vermeiden. Die Gemeinde Brüggen etwa hat diese im Oktober 2025 mit gerade mal drei Seiten Text und einigen Karten im Anhang eingeführt. In Werl dagegen wurde dies immer mit Hinweis auf den hohen Verwaltungsaufwand und die großen Risiken als nicht machbar dargestellt. Mit einer solchen Lenkungssteuer hätten wir nicht nur die Einwohner und Einwohnerinnen vor zusätzlichen Belastungen geschützt, sondern zusätzlich unsere Finanzsituation nachhaltig vebessern können. Heute liegen reichlich unbebaute Brachflächen an voll ausgebauten Straßen mit Kanal, Wasser-, Strom- und Telekommunikationsleitungen während wir an anderer Stelle große Summen in die Erschließung neuer Wohnbaugebiete stecken müssen. Das ist einfach eine Verschwendung von Ressourcen für die wir am Ende alle zahlen müssen.
Auch bei der Beschaffung von Geldern für langfristige Investitionen fehlt leider die Phantasie. Das Wort Genossenschaft, etwa in Wohnungsbaugenossen-schaft oder Bürgerenergiegenossenschaft, ruft regelmäßig große Abwehr-reaktionen hier im Saal hervor. Dabei geht die Idee der Genossenschaft ja nicht auf irgendwelche kommunistischen, sozialistischen oder sozialdemokratischen Vordenker zurück sondern hat ihren Ursprung beim christlichen Sozialreformer Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Warum verweigern wir uns der Idee, das Geld für die notwendigen Investionen in der Stadt unmittelbar von den Bürgern zu leihen und setzen stattdessen all unsere Hoffnungen auf fremde institutionelle Investoren und Bankkredite?
An dieser Stelle möchte ich kurz von einer Begebenheit aus dem Wahlkampf in der Fußgängerzone berichten. Ein Bürger -offenbar den Grünen nicht wohlgesonnen- kam auf uns zu und sprach uns recht harsch - ich erspare uns jetzt den genauen Wortlaut - jegliche Kompetenz ab. Nun, ja – da war klar, dass da ein Gespräch wenig sinnvoll ist. Das ist schade, denn wir diskutieren gerne mit Menschen aus allen Milieus, solange das Gespräch fair bleibt. Aber leider vergessen auch andere nur zu gerne, dass die Werler Bürger und Bürgerinnen ein breites Spektrum von Menschen in den Rat gewählt haben, die aus ihrer Ausbildung und ihrem Studium, aus ihrer Arbeit im beruflichen und privaten Umfeld umfangreiches Wissen und wertvolle Erfahrungen mitbringen. Wenn ich zu Themen der Energieversorgung gelegentlich mal hartnäckiger nachfrage und auffordere, über Alternativen nachzudenken, dann liegt das vielleicht daran, das ich über einen entsprechenden Hochschulabschluss und 30 Jahre Erfahrung in der freien Wirtschaft verfüge und eben nicht daran, dass ich hier die vermeintliche grüne Ideolgie propagiere. Gestalten in der Kommune ist eben mehr als Verwaltung.
Für den Haushalt 2026 sind nun endlich 120.000 € für die kommunale Wärmeplanung eingestellt und ich hoffe, dass das Geld ausreichend ist, um hier zu einer Lösung zu führen, die sowohl für die Stadt als auch für die Budgets der Bewohner und Bewohnerinnen auskömmlich ist. Spätestens dann, wenn wir zur Stromversorgung all der neuen Wärmepumpen die Strassen aufreißen müssen, sollten wir uns fragen, ob nicht das Verlegen von Wärmenetzen sinnvoller wäre.
Abschließen möchte ich hier mit einem kurzen Rückblick einen der wenigen Anträge, für die wir in den vergangenen Jahren Mehrheiten gewinnen konnten, vorstellen. Ich beziehe mich hier auf den Beschluss zur Darstellung von Energieverbrauch und Energiekosten kommunaler Gebäude aus der Ratssitzung vom 16.2.2017. Obwohl damals ein einstimmiger Beschluss gefasst wurde, wurde dieser nie konsequent umgesetzt und wir müssen Jahr für Jahr über steigende laufende Kosten diskutieren ohne die Wirksamkeit der Maßnahmen aus der Vergangenheit beurteilen zu können. Kontrolle von Verbrauch und Kosten ist essentiell für wirtschaftlichen Energieeinsatz. Wer dies unterlässt, dem fehlen vernünftige Planungsgrundlagen für die Zukunft.
Und die Stadt verpasst hier die Chance, sich als Vorbild für private Haushalte und Unternehmen zu positionieren.
Wir werden uns daher in der Abstimmung über den Haushalt 2026 enthalten.
Es gilt das gesprochene Wort.
Uwe Jansen
